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13. Mai 2006: Das Ende




Offizielles Abschlussfoto

"Aus! Aus! Aus, das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!!!". So oder ähnlich hätte wohl das Motto der letzten Tage meines Auslandsjahres heißen können. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass Deutschland eben (noch) nicht Weltmeister ist, und ich heute nach insgesamt 30 Stunden schweren Herzens wieder in Deutschland angekommen bin. Von einem Tag auf den anderen, einfach so aus dem Auslandsjahr gerissen. So schnell kann's gehen…

Um es mal ganz klar auf den Punkt zu bringen: Der Abschied aus Williamsburg ist mir schwer gefallen. Ich könnte jetzt viel hin- und herargumentieren, dass man sich doch über die schöne Zeit freuen soll, die man dort gehabt hat, anstatt traurig darüber zu sein, dass man schon wieder gehen muss. Aber es hilft halt alles nichts, man ist halt einfach traurig, wenn man einen Ort und die Menschen die man dort lieb gewonnen hat, wieder verlassen muss. Die letzten fünf Monate in Williamsburg, wie auch das gesamte Auslandsjahr incl. dem Semester in Singapur waren einfach unvergesslich. Punkt. Keine Diskussion. Das sind einfach Erfahrungen und schöne Momente, die mir niemand mehr nehmen kann.

Traurig: Abschiesfoto

"Was vom Tage übrig blieb"
Was also haben mir die letzten 11 Monate gebracht? In jedem Fall die wohl aufregendste und abwechslungsreichste Zeit, die ich bisher erlebt habe. Während der letzten 11 Monate habe ich fast im Wochenrhythmus neue Leute kennen gelernt, Trips zu spannenden Orten gemacht und nebenbei nicht nur an der Uni fachliches Wissen sondern auch fürs gesamte Leben in Bezug auf Kultur und Sprachfähigkeiten unglaublich viel gelernt. So oder so, für den Rest meines Studiums an der EBS im guten alten Oestrich-Winkel wird es verdammt schwer werden, diese Zeit noch zu toppen, ganz gleich wie viel Spaß ich dort mit meinen eingeschworen Freunden haben werde…

War somit das Auslandsjahr eine "einmal gesehen und gut" Erfahrung? Sicher nicht. Langsam glaube ich wirklich, was mir ein Bekannter während mehrerer Telefonate
Bereits im Vorfeld versichert hat: Den eigentlichen Wert wird man persönlich erst in ein Paar Jahren schätzen können. Wollen wir's hoffen… ;)
Was aber noch viel wichtiger ist als die gewonnene "Erfahrung" sind die Freunde, die ich während dieser Zeit gewonnen habe. Natürlich wird man viele von ihnen vermutlich nie mehr wieder sehen, einfach weil es halt der Lauf der Dinge ist. Aber etwas stolz macht es mich schon, dass ich jetzt im Fall eines Falles eine Bleibe in vielen verschiedenen Ländern der Erde der Welt (Australien, China, Taiwan, Singapur, USA etc) hätte.

Die muntere Truppe der Austauschstudenten

Trotz allem Pessimismus und dem vermutlich unwiderruflichen "goodybye-sagen" freue ich mich aber jetzt schon darauf, zumindest ein paar Bekannte schon diesen Sommer in Deutschland wieder zu sehen. Mit Ella aus Singapur (siehe Chinese-Garden pictures), Viktor aus Schottland (mein alter Freund aus der Zeit in Trier) und Angela aus Taiwan (Viktors Freundin) werde ich Anfang Juni eine kleine Europa-Tour u.a. nach Wien und Prag machen. Daniel (der uns während meiner Zeit in Williamsburg zu sich nach Hause nach Washington eingeladen hat) wird ein Jahr lang in Münster studieren und Jes (wir hatten ein gegenseitiges Agreement dass ich ihre Deutschaufsätze korrigiere und sie dafür meine englischen Papers gegenliest) wird schon in weniger als zwei Wochen in Heidelberg ein sechswöchiges Summerprogram absolvieren. Bei allen anderen war es zwar schon ein komisches Gefühl, ihnen vermutlich auf Dauer goodbye zu sagen, da man doch letztendlich nur rein zufällig während eines Lebensabschnittes am gleichen Ort war. Trotzdem überwiegt doch die Freude an die schönen Erinnerungen, die man zusammen hatte.

Etwas Wehmut bei einem der letzten Tage an Wiliam&Mary

Folgende Momente aus über 11 Monaten werde ich übrigens besonders vermissen:

  • das regelmäßige "bei Sonne auf der UC Terrasse sitzen und über Gott und die Welt reden"-Ritual mit Phil.

  • Mit Simon für ‚n Apple und ‚n Ei in Singapur abends im Marina Bay Foodcourt mit unglaublichem Blick auf die Skyline Essen gehen

  • die Hausparties in den USA die (man glaubt es kaum) tatsächlich so sind wie in den ganzen amerikanischen College-Filmen

  • das wöchentliche Bier mit Phil im "Leafe"

  • die lustigen Pre-Parties wie die zum "King & Queens Ball", wo ich mit zwei weiteren Typen die einzigen männlichen Partygäste in einem Sorrority-Haus waren… ;)

  • Bei Mara auf dem Rücken auf dem Bett liegen und rumphilosophieren

  • Die Geckos in meiner Wohnung in Singapur, die freundlicherweise alle Insekten mit einem Kampfschrei aufgefressen haben ;)

  • Lucy's putzige Grimassen (Mein Spitzname für sie war "Meister der 101 Grimassen

Begrüßungsdekoration von Nadja in Mainz.
It's good to be home.

Wie gesagt, diese Liste ließe sich jetzt noch beliebig weiter fortführen. Allein die Tatsache, dass ich zu jedem meiner über 3500 Bildern eine kurze Geschichte erzählen könnte, gibt glaub ich einen ganz guten Eindruck, was ich alles erlebt habe und demnach auch vermissen werde…

Könnte ich mir nach all dem Herumreisen also vorstellen, für eine begrenzte Zeit irgendwo im Ausland zu leben? Die Antwort ist ganz klar "ja, aber". Denn so schön New York oder Hong Kong für eine Zeitlang auch sein mögen, aber für längere Zeit wäre mir das eindeutig zu hektisch. Dann doch schon lieber irgendwann im Alter eine kleine Schafsfarm in Neuseeland direkt an dem See über dem im Halbstundentakt die Skydiver aus 4km Höhe aus dem Flugzeug springen, und deren "aarghhh yeeeehaa" das einzige ist, was die totale Stille des Schafs-Blöken stört. Oder in Sydney, der absoluten Traum-Stadt. Oder San Francisco, oder... ;)

Zum Abschluss mal noch ein paar Zahlen, einfach mal so wild zusammengetragen:
14: Anzahl der besuchten Länder
22: Anzahl der Flüge während des Auslandsjahres
13: Anzahl der verschiedenen Währungen (Woher kommt der Unterschied zu der Anzahl der besuchten Länder ? Tja, ganz einfach: Ich weigere mich einfach, das wertlose Papiergeld von Kambodscha als Währung anzuerkennen… ;) )
3755: Anzahl der Bilder, die ich seit meiner Ankunft in Singapur gemacht habe (alle schlechten Bilder sind schon in den Müll geflogen, weshalb diese brachiale Anzahl wirklich größtenteils sehr gute Bilder sind)
5,35 Gigabyte: Menge an Daten (Bilder, Videos, Reiseberichte, Fahrtrouten, etc) die ich innerhalb des Auslandsjahres gesammelt habe.
200 km/h: Erreichte Geschwindigkeit beim Skydiven in Neuseeland
16 m: Maximale erreichte Tiefe beim Tiefseetauchen in Malaysia

Nicht nur einer der schönsten Orte bei uns and der Uni, sondern auch eins der schönsten Bilder aus William&Mary

Und auch wenn mein Auslandsjahr jetzt leider endgültig vorbei zu sein scheint, werde ich doch wohl auch in Zukunft mit Viktor zusammen unseren Blog im Stil dieser Website weiterführen. Und obwohl ich in absehbarer Zeit keine exotischen Länder mehr besuchen werde, so wird doch sicher der ein oder andere amüsante Beitrag herauskommen. Wer also weiterhin auf dem Newsletter bleiben möchte sollte am Besten seine eMail Adresse in das Feld am rechten Rand eintragen.

Habe ich noch was vergessen? Natürlich: Leider war Tobi der einzige unserer Vierergruppe, den ich während des ganzen Jahres tatsächlich nirgendwo getroffen habe. Bei Simon und Phil hingegen muss ich mich für die wirklich tolle Zeit in Singapur bzw. USA bedanken. Da gibt es doch so einige Momente, die ich noch lange in Erinnerung behalten werde…

Somit ist www.roundtheworld.hermeswein.de tatsächilch an seinem endgültigen Ende angelangt. Etwas Wehmut habe ich natürlich schon, nach 11 Monaten diese Seite tatsächlich einzumotten.

Allen, die mich auf dieser Reise begleitet haben, sei es über die Website (die Seitenaufrufe haben mich gegen Ende wirklich umgehauen), als auch mit eMails und Bildern mit Infos aus der Heimat versorgt haben an dieser Stelle nochmal ein herzliches Danke.

Und natürlich ein Danke an all jene, die ich auf meiner Reise kennen gelernt habe:
Dhania, Valli, James, Lan Luh, Daniel, Usha, Anthony, Ella, Frank, Su Jen, Alvin, Maja, Rob, Megan, Ehsan, Andrea, John, Beth, Diane, Crystal, Juciana, Holly, Clayton, April, Gwen, Jes, Friedrich, Daniel, Katie, Siobhan, Victoria, Melanie, Edwin, Ewurama, Leo, Virginie, Chaoyen Lu, Michaela, Sarah, Lyz, Becky, Lucy, Gert, Shelly, Patrick, Daniel, Allie, David, Laura, Ann Marie, Dasha, Clarissa, Philla, Patricia, Takanori, Stephanie, und natürlich Simon, Phil und Mara.

Wie hat eine Freundin mir noch vor zwei Tagen kurz vor Abflug per SMS geschrieben:
"Denke nicht an den Abschied sondern nur an die besten Momente, die du erlebt hast".

In diesem Sinne

stefan:.