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5. - 11. Dezember 2005: Sydney




"Down Under"

Wie geht dieses gute alte Volkslied noch gleich? "Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort […]". Nach Hong Kong sollte nun also Sydney die zweite Station meiner Rundreise sein. Und um es mal kurz zu fassen: Sydney gefällt mir noch eine Spur besser, als alle anderen Städte die ich bisher so gesehen habe.

Schon zu Beginn fallen einem die ausgesprochen freundliche und herzliche Art der Leute auf. Das begann in meinem Fall schon bei der Ankunft am Flughafen: Wo man in anderen Ländern eher mistrauisch von den Grenzern begutachtet wird, begrüßte mich in meinem Fall ein Grenzer mit Namen "Mike" (so zumindest sein Namensschild), mit einem freundlichen "G'day mate, how'ya doin'? Welcome to Australia!". Allein von solch positiven Erlebnissen könnte ich jetzt eine ganze Geschichte erzählen, z.B. wenn man ich mit meiner Stadtkarte bewaffnet an einer Ampel stehe und ein Sydneyer mir Hilfe bei der Navigation anbietet ("Hey mate, you alright? You seem lost."). Und jetzt kommts: Betreffende Personen versuchten NICHT wie in Asien mir eine Rolex, ihre Tochter, ein Hotel, ein Taxi oder einen Anzug zu verkaufen. Die Leute hier in Sydney machen das einfach aus purer Menschenliebe…

Nationalpark "Blue Mountains"
Im Hngergrund die "Three Sisters"

Was mir an Sydney aber auch wieder auffällt: Sydney ist die erste Stadt seit nunmehr 5 Monaten, in der man vom Feminismus erstarkte, toughe Buiness-Frauen sieht. Entsprechende Spezies (bestückt mit Nadlestreifen-Hosenanzug, schwarzer Hornblille und Aktentasche) welche einem schon von Weitem "ich bin unabhängig, kann für mich selbst sorgen, bla bla blub" vermitteln, suchte man sowohl in Hong Kong als auch in Singapur mit wenigen Ausnahmen vergeblich. Extremes Gegenbeispiele gab es in Singapur zu Hauf: Oft genug habe teilweise die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn mir Freundinnen berichteten, dass ihre Eltern den Mann aussuchen oder sich ähnliche Späße à la "Um 23 Uhr musst du zu Hause sein" und "solange du noch nicht verheiratet bist wohnst du noch zu Hause" erlauben. Verkehrte Welt, …, hier in Sydney ist dagegen wieder alles gewohnt europäisch. :

Wie auch immer: Mein Hostel ist auf Empfehlung von Nadja und Stephan spitze (sitze gerade an einem warmen Sommerabend auf der Dachterrasse mit direktem Blick auf die Skyline). Auch das "mit anderen Personen auf einem Zimmer schlafen" stellt sich als weit weniger kompliziert heraus als angenommen (was wohl daran liegen könnte dass sich niemand an meinem Schnarchen stört).
Allerdings ist man als "zielstrebiger EBS-BWLer" (Achtung: Selbstirnie) schon etwas von den Lebensgeschichten der Leute hier schockiert. So zum Beispiel Aaron, gelernter Schlosser, hat einen Monat lang auf einer Farm Schafe geschoren. Oder, Thorsten, gelernter ‚Keine-Ahnung', wäscht in Deutschland Neuwagen bei Ford, und hält sich hier jetzt seit geraume Zeit mit Nebenjobs über Wasser (spricht übrigens KEIN Wort Englisch). Pläne für die Zukunft hat übrigens keiner von beiden (Der Schock überhaupt für den EBSler in mir :).

Das berühmteste Bärchen Australiens

Ansonsten ist Sydney echt top: Das Wetter ist durchweg spitze (siehe Bilder, hier ist gerade dickster Sommer), die Stadt selbst bietet super viel zu sehen, und auch an Tagesausflügen gibt es mehr als genügend Möglichkeiten. Sei es ein Tierpark mit berühmten australischen Tieren (Dingo, Koala, Känguru, Emu, etc), ein spektakulärer Nationalpark (unbedingt Bilder anschauen) oder der berühmte Bondi-Beach (lange nicht so spektakulär wie sein Ruf). Der Tagesausflug in die Weingegend musste wegen Zeitmangel leider ausfallen, aber mit dem billigen australischen Fusel dort hätte ich mich sowieso nicht abgegeben. :-P

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Sydney einfach spitze ist, aber auch bei weitem nicht so anders und spektakulär wie meine bisherigen Stationen in Asien. Wie auch, sind die Australier doch größtenteils ausgewanderte, langweilige Europäer :)

Und auch mal nach zwei Wochen ein erstes vorsichtiges Fazit über das ‚Allein-reisen' zu ziehen: Im Vergleich zum gemeinsamen Reisen hat das ganze auch sehr viele Vorteile. Das soll jetzt nicht heißen dass es besser oder schlechter ist, aber es ist halt schwer zu vergleichen da sehr anders.
Die Freiheit zu besitzen, jeden Tag tun und lassen zu können was man möchte ist unbezahlbar. Denn nur mal so ein Beispiel: Einem Reisepartner wäre mitunter schwer zu vermitteln, warum ich unbedingt mal die "Fox Studios" (Geburtsort von StarWars IV - VI oder Moulin Rouge) sehen will und dafür einen zweistündigen Fußmarsch auf mich nehme. Und wenn ich halt mal einen Tag lang nix machen will da müde, stört das auch niemanden.

Soviel für den Moment. Auf jeden Fall die Bilder nicht vergessen. Oder einfach mal was im Gästebuch posten...

stefan:.


Forsetzung folgt...