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4. Dezember 05: Kambodscha und Vietnam - 1000 km und ein Hundeleben später


Männer und ihre Spielzeuge:
Mit M60 Maschinengewehr rumballern -
in Vietnam kein Problem

Vorweg: Wenn es während meines bisherigen Auslandsjahres einen wirklich beeindruckenden Ausflug gegeben hat, dann doch mit Sicherheit der nach Kambodscha und Vietnam als Abschlusstour meines Aufenthalts hier in Asien.

Denn einerseits habe ich in diesen beiden Ländern das erste Mal richtige Armut gesehen (so pervers das auch klingen mag) und andererseits mit die beeindruckendsten Landschaften überhaupt (Achtung, diesmal gibt es für einen Bericht zwei verschiedene Bildergalierien: Einmal für Vietnam, und einmal für Kambodscha).

Für Kambodscha (Bildergalierie) war eigentlich folgendes geplant: Wir sollten von Bangkok aus mit dem Bus an die Grenze zu Kambodscha fahren um uns dort einen Fahrer zu mieten (ja, sowas geht in Kambodscha). Dieser sollte uns dann die 150 km zum Tempel fahren. Dannach noch zwei Tage in der Stadt verbringen und gut is'.

Die tatsächliche Route sah dann aber etwas anders aus: Leider wurde uns im Reisebüro das falsche Busticket in die Hand gedrückt, so dass wir nicht am (geplanten) nördlichen Grenzübergang ankamen (welcher wirklich nur 150 km von der geplanten Tempelanlage Angkor Wat entfernt war), sondern am südlichen Grenzübergang ganz am anderen Ende von Kambodscha. Und die von dort zu überwindende Distanz bis Angkor Wat nicht mal eben 150 km, sondern mit 850 km mal eben mehr als fünfmal so lang.

Tankstelle in Kambodscha

Um keine falschen Vorstellungen von einer Entfernung von 850 km in Kambodscha zu bekommen: Das besondere in diesem Land ist nämlich, dass es teilweise keine geteerten Straßen gibt! (der Winzer in mir würde sagen: "Dat sin alles total die buckeligen Wingertswege"). Unser angemieteter Kamikaze-Fahrer (der auf dem Hinweg gnadenlos ausschließlich schnulzige Boygroup Musik à la 'Backstreet Boys' gehört hat) fuhr auf diesen Buckelpisten aber trotzdem gnadenlos durchscnittlich 70 km/h. Von daher war die ganze Tour teilweise doch schon sehr anstrengend (siehe Bilder Kambodscha).

Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass es ein riesiges Glück war, das wir uns mit der Grenze geirrt haben, denn so hatten wir die einmalige Chance, tatsächlich das ganze Land zu sehen. Nicht nur, dass wir die ursprünglich geplante Tempelanlage zu Gesicht bekommen haben, sondern zusätzlich auch noch einsame Dörfer mitten im Niemalsland und mit Phnom Pehn sogar noch die Hauptstadt von Kambodscha.

Interessant an den einsamen Bergdörfern ist übrigens, dass man sich, wenn man nachts vorbei fährt, teilweise echt nicht vorstellen kann dass dort Leute wohnen, ..., bis man dann den SW-Fernseher durch die Holswand flimmern sieht. :) In der Hinsicht ist also wohl auch noch das ärmste Land der Welt dem Westen gleich.

Dscungelfeeling mitten in Vietnam

So freundlich und zufrieden die Leute da auch wirken, so kaputt scheint aber auch das ganze Land zu sein. Statistische Daten wie "BSP von 2000 US$ pro Person" geben einem ja i.d.R. keine Vorstellung davon, wie es in einem Land tatsächlich ausschaut. Sieht man dann aber mal selbst, wie arm die Leute da eigentlich, bekommt man nur eine vage Vorstellung davon, wie es anderen Ländern in Afrika gehen muss, die mit einem BSP von lediglich 200$ noch ein gutes Stück ärmer als Kambodscha sind. DAS sind dann die wirlkich armen Länder, weil die Leute dort im Gegensatz zu Kambodscha auch noch teilweise nix zu beißen haben; in Kambodscha sind die meisten Familien wegen des fruchtbaren Bodens und eigener Viehaltung wenigstens noch weitgehend Selbstversorger.

Am deutlichsten wird Kambodschas wirtschaftliche Situation aber an der Grenze zu Thailand. Denn schaut man sich einfach mal die Bilanz der LKWs an, die zwischen den Ländern hin und her pendeln, fällt doch auf, dass hier irgendwas nicht stimmt. Während einer Stunde, die wir an der Grenze in der Sonne braten mussten, sind mindestens 50 schwere LKW mit Zement und allerhand Zeugs als Importe über die Grenze nach Kambodscha gerollt. Komischwerweise sind in der gleichen Zeit nur zwei LKW von Kambodscha nach Tailand als Exporte gegangen. Einer von beiden war leer, und der andere halbvoll mit wertlosem Schrott. Tolle Handelsbilanz... :)

Vier Reisbauern, die wir in der Stadt getroffen haben :)

Saigon in Vietnam (Bildergalierie) war in dieser Hinsicht im Gegensatz zu Kambodscha nicht wesentlich anders, liegt doch das durchschnittliche Monatsgehalt in der Stadt für hochqualifizierte Arbeit bei ca. 100US$ ähnlich niedrig.

Gerade wegen des amerikanischen Einflusses während des Vietnamkriegs (Hauptbasis der US Streitkräfte) ist Saigon für vietnamesische Verhältnisse schon sehr westlich. Sei es dass man überall in US$ anstatt mit derem wertlosen Spielgeld "Dong" (hehe, die Währung heißt tatsächlich "Dong") bezahlen kann, als auch dass man in jeder Bar westliches Bier und westliche Musik vorgesetzt bekommt.
Nicht sehr westlich ist hingegen das Stromnetz, so dass Abends plötzlich in einem ganzen Viertel der Strom weg war und alle im Dunkeln saßen. Naja, wenigstens wurden wir in der Bar kurze Zeit vorher von einem Kamikaze-Japaner bereits gut unterhalten, der stark alkoholisiert damit begonnen hat, Tische umzutreten und so fachmännisch zu zerlegen. Tja, die Japaner sind schon lustige Kerlchen.

Bei einem Besuch in Vietnam durfte natürlich auch ein Besucht der Vietcong Tunnel nicht fehlen, mit welchen die "Besatzer" (Amerika) im Vietnam Krieg äußerst erfolgreich geschlagen wurden. Teilweise war das über 200km lange Tunnelnetz begehbar, so dass man sich selbst einen Eindruck darüber verschaffen konnte, wie eng diese Gänge eigentlich waren. Und wenn man dann noch bedenkt, dass diese bis zu 15 Meter tiefen Gänge ohne Strom und nur mit Hilfe eines Spaten gebaut wurde und teilweise so eng sind, dass selbst ich mich da nicht mal umdrehen konnte,dann bleibt einem doch nur, in stiller Demut seinen Hut zu ziehen.

Und das beste (für Männer): Auf dem Schießstand konnte man ohne Vorbereitung mit echten Maschinengewehren (M60) und echter Munition rumballern. Also unbedingt die Bildergalerie Vietnam anschauen... :)


Soviel für den Moment. Der nächste Bericht kommt dann schon aus Hong Kong, der Stadt der Luxus-Einkaufsmeilen.

stefan:.

Forsetzung folgt...