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13. Oktober 05: EBS-Austauschprogramm "Singapur - Bangkok" die Zweite



Typische Einkaufsstraße in Bangkok

Da war es also soweit: Nachdem Sven uns aus Bangkok vor zwei Wochen besuchen kam, waren Simon und meine Wenigkeit letztes Wochenende dran, nach Bangkok aufzubrechen. Singapur ist zwar schön und gut, aber nun doch irgendwie sehr westlich. Das sollte in Bangkok dann mal anders werden (Bildergalerie nicht vergessen)

Und das war es dann auch. Die erste große Umstellung erwartet einen schon am Flughafen. Schon beim Taxi muss man anfangen, bis aufs Blut zu handeln. Obwohl die Taxis zwar alle ein Taximeter haben (und auch fleißig damit werben) benutzen viele das einfach nur zur Deko. Wenn man also in ein Taxi steigt und sagt dass man gerne mit Taximeter fahren möchte, sagen viele Taxifahrer einfach "Nein", so dass man entweder einen weiteren Taxifahrer fragen oder einen Festpreis aushandeln muss.

Obwohl das mit dem Handeln doch anfangs irgendwie lustig ist, nervt es am Ende einfach nur noch. Als arroganter Westler will man einfach den Komfort einer vollkommenen Preistransparenz (jaja, die BWLer) haben, so dass man einfach Preise vergleichen kann ohne anfangen muss, sich um jedes dämliche Brötchen zu kloppen.

Tempelanlagen vor Bangkok.

Was mich beim Handeln auch immer wieder überrascht: Die Leute dort schämen sich halt auch überhaupt nicht, dich vollkommen offensichtlich zu verarschen. Selbst wenn du denen zu verstehen gibst, dass du weißt dass der normale Preis nur 10% von dem ist und die diesen Mist doch mit jemand anderem abziehen sollen, stört die das keinen Meter.

Beispiel: Man geht in eine Bar wo man für einm Bier 100 Baht bezahlen soll (laut Preisliste). Drin verlangt der Kellner dann einfach so 250, als wäre das das normalste von der Welt. Wenn man dann sagt dass man nur den Preis von draußen bezahlt und er den Mist lassen soll, heißt es "ok", so nach dem Motto "man kann ja mal versuchen blöde Westler zu verarschen".

Natürlich findet man das als Westler furchtbar unhöflich, aber zumindest gibt das einem auch die Möglichkeit, denen gegenüber genauso "unhöflich" zu sein. Wenn also jemand für ein T-Shirt (fairer Preis 3 Euro) 25 € verlangt (was hochgradige Verarschung ist), dann nennt man einfach genauso dreist einen Anfangspreis von 0,5 €.

Beim Schneider: Maßanzüge für billiges Geld.
Man beachte den Größenunterschied.

Ansonsten ist Bangkok ähnlich wie Kuala Lumpur in Malaysia: Sehr chaotisch, wegen Stau häufig schlechte Luft, teilweise sehr dreckig, aber auch irgendwie sympatischer als Kuala Lumpur. Vor allem die "Tuk Tuk" Taxis (dreirädrige Gefährte) machen extrem Laune. Auch wenn man hier aufpassen muss, dass man nicht a) mit dem Preis verarscht wird b) in einer Kurve nicht aus dem Tuk Tuk fällt oder c) an einem Herzanfall stirbt, weil der Fahrer die Verkehrszeichen mal wieder nur als Ratschlag gewertet hat und auf der falschen Seite im Gegenverkehr fährt. Komischerweise haben wir an den vier Tagen abgesehen von einem kleinen Blechschaden keinen einzigen schwerwiegenden Unfall gesehen, obwohl alles sehr abenteuerlich/gefährlich aussah.

Was als Westler übrigens hier immer wieder schockierend und faszinierend zugleich ist, sind die unterschiedlichen Lebensverhältnisse. In Europa ist ja von von Land zu Land, und zwischen Stadt und Land alles relativ ähnlich. Hier in Südostasien ist das sehr anders: Einerseits Singapur als Wohlstands-Metropole mit weitgehend einheitlichem Standard. Andererseits dann aber auch Thailand als direktes Gegenbeispiel mit weit niedrigerem Lebensstandard, wo die Leute auf dem Land noch in Blechhütten wohnen.

Grau, schwer, feucht.
Thailändischer Elefant auf Tuchfühlung.

Das Faszinierende daran ist aber, dass es doch den Eindruck erweckt, dass die Leute dort trotzdem glücklich sind. Natürlich muss dafür in erster Linie die Grundvoraussetzung (Dach über dem Kopf, Essen, Trinken) gegeben sein. Aber ich bezweifle, dass der ewig jammernder Durchschitts-Deutsche wirklich glücklicher ist, als der Durchschnitts-Thailänder, der auf dem Land wohnt und Reis anbaut.
Auch wenn das hier jetzt sehr philosophisch klingen mag, so hat mich doch folgendes Zitat von einem Weltreisenden im Internet irgendwie nachdenklich gemacht:

"Wir alle sollten uns den Unterschied in den Lebensverhältnissen zwischen Deutschland und einem Land in der Dritten Welt mal wirklich bewusst machen, dann würde hier auch nicht mehr so viel gejammert. Es kann bei uns nun mal nicht ständig bergauf gehen, während die halbe Welt im Dreck lebt. Grenzenloser Wohlstand macht ja auch gar nicht glücklich. Eigentlich könnte man hier bei uns rundum zufrieden sein, man ist gegen fast alles versichert, niemand muss hungern; in Wahrheit haben die reichen Länder aber die höchste Selbstmordrate."

Tja, viele Fragen und keine Antworten...

Soviel für den Moment (die Bildergalerie nicht vergessen...) Der nächste Bericht kommt dann wohl schon aus Kambodscha und Vietnam. Und dann geht es auch schon mit riesen Schritten auf das Ende meiner Zeit hier in Singapur zu. Und um ehrlich zu sein werde ich einige Sachen sehr vermissen, obwohl ich mich natürlich auch schon auf die Zeit danach freue.

stefan:.

Forsetzung folgt...