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2. September 05:
Wochenende in Malaysia - oder: Die Bahn kommt...


Hallo zusammen,

Zwei Hansemänner vor den Höchsten Zwillingstürmen der Welt

heute mal ausnahmsweise ein Bericht aus Kuala Lumpur / Malaysia, der Stadt der "Petronas Twin Towers", wo ich ein Wochenende verbracht habe. Wie die Zeit vergeht…

Warum Malaysia? Nun, ich habe mit Simon beschlossen, den Ball während unserem ersten gemeinsamen Trip erst mal noch etwas flach zu halten, d.h. ein mehr oder weniger "gemäßigtes" Land zu wählen, bei dem man relativ schnell wieder nach Singapur "fliehen" könnte, falls es ein Schuss in den Ofen werden sollte.

Naja, wie auch immer: In aller Frühe (7:30 Uhr) nach Malaysia mit dem Bus aufgebrochen, um die 400 Kilometer in einem 1. Klasse Bus (Massagesitze incl) für insgesamt 17 Euro in 6 Stunden Fahrt anzutreten.
An der ersten Tankstelle hinter der Grenze dann schon die erste Überraschung: In einem kleinen Laden (siehe Bildergalerie) konnte man ganz legal gebrannte DVDs kaufen. Preis: 3 Ringid, etwa 75 ct. Und das für Top-Filme, die in Deutschland noch nichtmal im Kino laufen.

Menü bei McD: 1,60 Euro
(hier verkauft McD übrigens
auch asiatische Suppe!)

Malaysia an sich ist einerseits sehr sehr billig (etwa 50% vom Preis von Singapur, was wiederum 50% vom Preis von Deutschland ist), andererseits aber auch unglaublich chaotisch, laut und schmutzig. Fährt in der Stadt vor einem ein Bus los, ist erstmal die ganze Luft blau und schwarz, weil die noch nix von Grenzwerten und Rußfiltern gehört haben. Neben dem Smog ist die totale Verplantheit der Stadt sehr beeindruckend: Da Malaysia nicht, wie deutsche Städte, von Stadtplanern im Voraus geplant wurde, ist die Anordnung der Straßen total wirr und unlogisch (siehe Bild Nummer 53 in der Bildergalerie). Es kommt schon mal vor, dass man 500 Meter einer Straße folgt, und plötzlich vor einer Wand steht, weil die Straße einfach in einer Sackgasse dort endet. Weiteres Beispiel: Man kann den Bahnhof nicht zu Fuß erreichen kann, ohne den Highway zu überqueren oder aber einen 30 Minuten Umweg in Kauf zu nehmen. Total krass, habe ich bisher auch noch nirgends so erlebt

Zufälle gibt's: Zwei Kommilitonen von Simon, zur gleichen Zeit in der gleichen Stadt, und sogar noch im gleichen Hostel.

Auch das öffentliche Transportsystem in Kuala Lumpur ist total verplant: Die U-Bahn und Straßenbahnen (siehe Bildergalerie) gehören alle zu unterschiedlichen Unternehmen. Dementsprechend gibt es auch keine einheitlichen Tickets und die Möglichkeit, per Umsteigen von Ort A zu Ort B zu kommen, da man für jede Bahn ein separates Ticket kaufen muss. Häufig muss man dies sogar noch an einem Schalter tun, da man von Ticketautomaten hier noch nichts gehört zu haben scheint.

Mc Donalds ist in Kuala Lumpur übrigens lächerlich günstig. Für ein normales Menü bezahlt man hier nur 1,60 €, für ein kleines Eis gerade mal 12 ct. Jetzt kann man mir vorwerfen, "Man, da fliegt der Hermes um die halbe Welt und stopft sich dann mit Junk Food voll", aber ich wollte schon immer mal in einem McD "dinnieren" und mich richtig satt essen. Das ist hier ohne Probleme möglich und kostet nicht mal 3 Euro… :)

Ausblick von der "Skybridge" der
"Petronas Twin Towers".

Die berühmten Twin Towers, das inoffizielle Markenzeichen der Stadt, sind am ehesten mit "sehr beeindruckend" zu beschreiben. Unangenehmer Nebeneffekt der abendlichen Ausflugstour: Auf dem Heimweg hat der liebe Gott mal wieder den An-Aus-Wetterschalter für Regen (An = Monsun, Aus = Sonne) umgelegt, so dass es innerhalb einer Minute angefangen hat, monsunartig zu regnen. Teilweise standen ganze Straßen unter Wasser, so dass wir total durchnässt im Hostel ankamen (unser Toller 2 Euro Schirm aus China Town war natürlich viel zu klein für solch heftigen Regen) und am folgenden Tag mit nassen Schuhen durch die Stadt laufen mussten.

Unser Zimmer war für 7 Euro pro Nacht gewohnt schlicht: Zwei Betten, Mülleimer, Lampe, Klimaanlage. Keine Fenster, keine Bettdecke, dafür aber ein Loch in der Decke durch welches wir leicht feststellen konnten, ob es draußen regnet oder nicht (hatten ja kein Fenster).

Chinatown in Kuala Lumpur ist übrigens sehr krass: Überall gefälschte Ware. Polo T-Shirts für 4 Euro, gefälschte Rolex für 12 Euro. 30 minütige Fußmassage (haben wir uns nicht nehmen lassen) für 6 Euro.

Typisch Malaysia: Küssen verboten.

Die Heimfahrt mit der Bahn (wir wollten mal beides erlebt haben obwohl wir vor der Bahn gewarnt wurden) war dann sehr sehr abenteuerlich: Geplant war eine Fahrtzeit von 6 Stunden, am Ende waren es dann fast 10. Und das für eine Strecke von nur 400 km. In unserem Abteil saß auch eine Gruppe von etwa 10 Indern, die die ganze Zeit wie Kinder laut gesungen und getrommelt haben. Das war mehr als irritierend, weil man so was in Deutschland normalerweise nur nach einem Fußballspiel in der S-Bahn erlebt.

Die Höchstgeschwindigkeit unseres Zuges, ein wahres Wunderwerks der Technik, lag auch nur bei maximal 60 km/h, was die unglaublich lange Fahrtzeit erklärt. Manchmal blieben wir einfach mitten auf der Strecke eine Stunde lang stehen. Und abends um 20 Uhr machten wir an einem Bahnhof einfach mal eine Stunde Abendpause (!), damit alle Leute aussteigen konnten um was zu essen. Und das, obwohl nur noch noch 20 Kilometer vor uns lagen. (Der Zug war im Übrigen mindestens 500 Meter lang, also genau so wie man die Züge in Indien im Fernsehen immer sieht.)
Also: Wer sich also in Zukunft über die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn beschwert, soll mal mit der Bahn von Malaysia nach Singapur fahren. DAS ist die Definition von Unpünktlichkeit (aber laut meinem Nachbarn noch kein Vergleich mit Indien, aber egal…)

Abenteuerliche Heimfahrt im Zug
incl. musikalischer Untermalung
einer Gruppe von Indern.

Soviel zum Thema Kuala Lumpur. Insgesamt war es ein sehr lustiges, und v.a. lehrreiches Wochenende. Was uns abends, als wir in Kuala Lumpur beim Abendessen saßen, mal aufgefallen ist: Vor zwei Jahren sind wir gerade erst in Oestrich eingezogen und haben am Rhein Pizza gegessen, und heute schon saßen wir in Kuala Lumpur am anderen Ende der Welt vor den Twin Towers. Tja, schon irgendwie merkwürdig. Und auch die Tatsache, dass wir letzten Mittwoch andere EBSler in Singapur in einer Bar getroffen haben, ist auch irgendwie total surreal. Bis vor kurzem dachte ich immer noch: "Komisch, dass sich andere EBSler irgendwo in der Welt treffen", und dann geht es mir genauso.

Demnächst mal wieder mehr aus Singapur. Eigentlich wollte ich zusätzliche Bilder von Singapur in den Bericht reinpacken, aber das werde ich wohl erst im nächsten machen. Dann gibt es auch hoffentlich Bilder von unserem morgigen Trip auf eine kleine Insel vor Singapur.

Und die Bildergalerie nicht vergessen... ;)

stefan:.

Forsetzung folgt...