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20. Aug 05: Rette sich wer kann!!! Singapur hat Nationalfeiertag.


Simon und ich vor imposanter Kulisse.

Puh, vorab: Diesmal gibt es viel zu berichten (die ganze Palette war dabei: Freude, Trauer, Schmerz, Hoffnung)...

Um mal mit dem Thema Schmerz und Trauer anzufangen:
Gestern kam mein Laptop auf die lustige Idee, sich auf spektakuläre Weise mit lautem Geknatter zu verabschieden. Ich hatte schon das Bild vor mir: Vierwöchige Reparatur, vier Wochen ohne eMail, ohne telefonieren, ohne Website aktualisieren... (Auf Deutsch: Der Supergau. Ganz zu schweigen vom Datenverlust).
Aber (Achtung! jetzt kommt's): Das "Customer Service Center" von Acer darf man sich nicht so vorstellen wie in Deutschland, wo zwei IT-Freaks einen in einem chaotischen Raum durch Flaschenböden-Brillengläser murrig anstarren. Vielmehr ist sowas hier wie ein wirkliches "Service Center": Heller klimatisierter Raum, man zieht sich einen Warte-Coupon, kann während der 10 minütigen Wartezeit kostenlos trinken und Kekse essen, Tageszeitungen lesen etc. Kurz: In Deutschland schlichtweg unmöglich. Dort hätte man vermutlich ein murriges "ja, ähm, lassen sie das Ding mal hier, ich schau mal, ähm, was ich da tun kann. Aber erwarten sie mal nicht zuviel, und vor allem nicht vor nächsten Monat" zu hören bekommen.
Hier läuft das eher à la "Aha, Platte ist also kaputt. Warten Sie mal (*kram kram*), ich hab hier noch ne neue. (*schwups*), so, läuft wieder."

"Barcardi Feeling, lala la la"
(Volleyball mit Kokusnuss")

Anhand eines Beispiels zu verallgemeinern ist natürlich immer problematisch, aber die Tendenz verhärtet sich bei mir langsam: Egal wo man in Singapur eine Servicedienstleistung anfordert, wird man freundlicher, schneller und kompetenter bedient als in Deutschland.
Tja, wieder eine Sache, bei der Singapur besser ist als Deutschland (nachdem die Pünktlichkeit der Bahn und die Freundlichkeit der Bahnmitarbeiter schon eine Woche vorher an Singapur gegangen ist). Nur am Rande schmunzelte ich daher noch über die Werbeaussage in einer "Audi" Werbung: "The new Audi A6 - a masterpiece of German Engineering"…
Naja, wie auch immer. Ich ziehe später einfach nach Singapur, dann brauche ich mich nicht mehr mit Deutschland rumzuärgern. :)

Letzte Woche Dienstag war hier in Singapur übrigens Nationalfeiertag (um nicht zu sagen: DER Nationalfeiertag schlechtin). Singapur wurde nämlich stolze 40 Jahre alt…
Wer jetzt denkt "jaja, wieder nur so ein freier Tag für die Angestellten" der fehlt gewaltig, denn was hier geboten wurde, war schlichtweg unglaublich. Militärparade, Festumzug, Live-Veranstaltung im Fernsehen an 4 Orten parallel, Flugshow, Militärausstellung…

Diese putzigen Zeitgenossen zeigen gerade "Kendo" und schlagen sich einen Moment später mit den Stöcken die Köpfe mit unglaublich lautem Geschrei ein...

Vor allem die große Präsenz des Militärs irritiert einen als Deutscher doch schon irgendwie, sind wir doch gewohnt uns wegen unseres schlechten Gewissens regelmäßig für unser Militär zu entschuldigen. Propaganda-Plakate (siehe Bildergalerie) wie hier in der U-Bahn "Devastation Unleashed" (zu deutsch: Entfesselte Verwüstung) oder "Steel Rain" (Regen aus Stahl) wären in Deutschland nie möglich. Wenn auch sehr faszinierend (gerade Männer sind mit sowas sehr schnell zu ködern) war diese gesamte Militärausstellung doch höchst merkwürdig. Streckenweise kam es einem doch wie ein "Disneyland" für Erwachsene vor.

Diesen Montag ist übrigens mein guter Freund Simon, den es auch für ein Semester nach Singapur verschlagen hat, am Flughafen angekommen. Seine Uni (SMU - Singapore Management University) ist zwar noch eine einzige Baustelle, trotzdem gehen bei ihm ab nächsten Montag (angeblich) die Vorlesungen los. Immerhin hat der Staat Singapur mal so eben 1 Mrd $ in den Ausbau dieser Uni gesteckt. Auch wird hier mal soeben eine komplett neue U-Bahn Linie gebaut, die seine Uni u.a. direkt mit meiner verbindet…
Insgesamt ist es ein sehr komisches Gefühl, jemanden am anderen Ende der Welt wieder zu treffen. Aber so komisch es auch ist, umso spaßiger ist es dann auch, wenn man wie heute Downtown zusammen lecka essen geht und sich im Anschluss den Bauch mit unverhältnismäßig großem Nachtisch (siehe Bildergalerie) voll schlagen kann.

Sniper-Tarnung der Army.
Man beachte Franks bunten Luftballon
(in der Gallerie noch besser zu sehen).

Gestern wurde ich hier an der Uni übrigens vom NUH (National University Hospital) angesprochen. Die suchen hier nämlich "Caucasions" (also nicht-Asiaten) im Alter von 21 bis 50 Jahren für medizinische Untersuchungen. Wir (also die "Weißen") sind hier nämlich sehr sehr selten… :) Falls jemand also schon Erfahrung mit solchen Nebenverdienstmöglichkeiten gemacht hat, würde ich mich über Ratschläge im Gästebuch freuen.

Die Asiaten sind übrigens alle im Durchschnitt etwa einen Kopf kleiner als die Europäer. Das sieht dann vor allem lustig aus, wenn in der U-Bahn eine schwedische Frau neben einem asiatischen Mann steht, …, ein ziemlich ungleiches Duell. Auch merkwürdig ist, dass viele asiatische Frauen alles dagegen tun, um nicht braun zu werden. Daher finden "Weißmacher" für die Haut reißenden Absatz, ebenso kommen einem dauernd Leute mit aufgespanntem Sonnenschirm bei bestem Wetter entgegen…


Typisch Singapur: Konsum pur (auf Deutsch: "Wenn du zweifelst, kauf es einfach").

Immer wieder lustig ist übrigens, wenn man mit Frank (dem Chinesen) unterwegs ist. Beispielsweise als wir auf dem Weg vom Kino nach Hause im Taxi waren (ist hier super billig), und er plötzlich anfängt, mit dem Taxifahrer in Mandarin zu sprechen. Die Sprache klingt für europäische Ohren derart merkwürdig (und in gewisser Weise auch lustig), dass man gar nicht mehr aufhören kann, fasziniert zuzuhören, obwohl man nicht ein einziges Wort versteht. Und als ich ihn dann bat, mir doch mal zu übersetzenm was der Taxifahrer so zu sagen hat, da entgegnete er nur gewohnt spartanisch "Er kann nicht verstehen, dass ihr (er meinte mich und Anthony aus Australien) kein Mandarin könnt, da es doch von der Anzahl der Menschen her die wichtigste Sprache ist". Tja, da hat er wohl Recht. Die 1,3 Mrd Chinesen lachen irgendwann über die 260 Mio Amis…

Übrigens hab ich mit meinem australischen Nachbarn beschlossen, uns etwas sportlich zu betätigen. Man wird mich demnächst also vermutlich häufiger mit Laufschuhen auf dem Campus oder mit dem Tennisschläger auf dem Tennisplatz sehen…

Männer und ihre Spielzeuge.

Vielleicht noch ein Wort zu den Vorlesungen (Stimmt ja, deswegen bin ich ja eigentlich hier): Die Qualität ist durchweg sehr gut. Viele Dozenten sind von ihrer Laufbahn wirklich hochklassig (meine Dozentin in "Corporate Law and Finance" hat beispielsweise ihren Doktortitel aus Cambridge). Und auch meine anderen Vorlesungen ("Asian Pacific Business" und "Financial Statement Analysis") machen einen sehr guten Eindruck.

Ich werde nächste Woche (wenn alles glatt geht) vermutlich nach Kuala Lumpur fahren und mich eventuell für einen Tauchkurs in den Wochen darauf auf einer Insel auf Malaysia anmelden. Mal sehen ob das so hinhaut. Die Bilder davon gibt es auf jeden Fall wieder hier...

Über das, was momentan in Deutschland so abgeht bin ich eigentlich auch ganz gut informiert. Dem Internet (und den aktuellen "heute" Nachrichten des guten alten ZDF) sei Dank. Tragischer ist da nur, dass ich lesen musste, dass Deutsche im Ausland vermutlich nicht wählen gehen können, da unser Gerhard vor zwei Monaten sogar die Wahlleiter mit seiner fixen Idee zur Neuwahl überrascht hat…

So, gleich wird erstmal zum ersten Mal hier in Singapur die Waschmaschine angeworfen. Also am Besten meine Bilder noch mal gut angucken, denn auf den nächsten Bilder werden meine Klamotten wohl entweder bunter oder kleiner oder beides sein… :)
Aber wozu gibt es denn die Seite www.frag-mutti.de (Tipp des Tages: "Milchreis schmeckt hervorragend, wenn man ihn kurz vor dem Verzehr durch ein saftiges Steak ersetzt"). Anhand folgender Anleitung in der Kategorie "Waschmaschinenkunde: Waschen mit der Waschmaschine - Grundlegendes" müsste ich das doch eigentlich hinbekommen:

Grünes Brot. Angeblich mit Gemüseextrakt (ehrlich!).

"Waschen ist vielleicht gar nicht so leicht wie es aussieht. Damit die Wäsche nicht auf Puppengröße schrumpft und nach dem Waschen immer noch die selben Farben haben, sollte man folgende Regeln beachten:

1. Weiße Wäsche sollte man nur mit weißer Wäsche waschen. Und das mit Vollwaschmittel

2. Farbige Kleidung sollte nach Farben gewaschen werden (dunkel/hell). Vor allem rote und neue Kleidung ist brisant! Unbedingt Color-Waschmittel benutzen!

3. Jeans, Pullover, Hemden nicht mit 60 Grad waschen. Sondern mit 30 oder 40 Grad. Sonst kommt die Kleidung oftmals eine Nummer kleiner raus."

Auf ein neues. Wie bereits gesagt, freue mich über Post, entweder per eMail oder im Gästebuch.


Gruß aus Singapur

stefan:.

Forsetzung folgt...