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8. Aug 05: Wakeboarding und andere Seltsamkeiten


Man beachte die Stirnbänder am "Rag Day".

Nun also mein zweiter Bereicht aus der Weltmetropole Singapur. Ich habe mich hier mittlerweile sehr gut eingelebt und viele nette Leute aus allen Teilen der Welt kennen gelernt. Meine beiden Zimmernachbarn sind beispielsweise aus China und Australien, eine sehr nette Kommilitonin ist aus Singapur, und mit einem weiteren Austauschstudenten aus Kanada war ich letzten Donnerstag zum Wakeboarden an der malayischen Grenze...

Wakeboarding ist an sich eine super lustige Sache: Man begibt sich in Gruppen zu 4 oder 5 Leuten auf ein Motorboot, und fährt dann erstmal bei voller Fahrt zur entsprechende Stelle zwischen Singapur und Malaysia. Die Bilder zeigen wohl, dass schon allein die Aussicht während dieser Bootsfahrt den Aufwand wert ist.
Von meiner Uni waren insgesamt etwa 30 Leute zur malayischen Grenze gekommen, wo der "NUS Wakeboarding Club" die Sache organisiert hatte. Angekommen schnallt sich der erste dann das Wakeboard (eine Mischung aus Snowboard und Surfbrett) unter die Füße und wird im Wasser mit einer Leine abgesetzt. Dann fährt das Boot erst langsam, dann immer schneller an, und, ..., man fällt sofort wieder hin. Denn natürlich kann man sich nicht auf Anhieb halten, so dass man drei bis vier Versuche benötigt, um sich einigermaßen auf dem wackligen Ding halten zu können. Insgesamt ist die Sache super lustig, aber auch sehr sehr anstrengend (Muskelkater am Tag drauf gibt es gratis dazu). Auf dem Weg zurück in den Hafen zeigte uns unser Lehrer Fandy dann, wie es wirklich geht: Bei voller Fahrt vollführte er bei halsbrecherischer Geschwindigkeit bis zu 2 Meter hohe Sprünge und Saltos. Absolut beeindruckend, selbst auf den Bildern. Kurzes Video dazu gibt es hier...

Lu Xu und ich vor der imposanten Skyline.

Mittlerweile habe ich mir in Little India ein brandneues Soundsystem für meine Bude besorgt. Für 15 SG$ (etwa 7 Euro) erhält man zwar keins mit THX Zertifikat :-) aber für den Preis kann man echt nix sagen. Denn immerhin kann ich das Ding bei meiner Abreise nicht mitnehmen, und da wollte ich auch kein halbes Vermögen ausgeben. Da verschmerze ich auch, dass mir die entgegenstolpernden Bässe unmissverständlich zu verstehen geben, dass es keine so gute Idee ist, über Zimmerlautstärke zu gehen...

Interessantes Detail am Rande: Ich habe, seit ich hier bin, noch KEINEN EINZIGEN Raucher gesehen. Die Antwort ist recht simpel, da das Rauchen hier in Singapur an ALLEN öffentlichen Plätzen unter schwerer Geldstrafe (500 $ oder so) verboten ist. Und dort wo es nicht verboten ist, gibt es sehr wenige Aschenbecher (auf den Boden werfen ist keine gute Idee, kostet nämlich auch 500$). Jetzt kann man drüber streiten, ob das gut oder schlecht ist, aber zumindest hat man damit den schönen Nebeneffekt, dass nicht überall die Stummel herumliegen.

In Singapur selbst sind die Angestellten der lokalen U-Bahn übrigens unheimlich freundlich. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass ich nach "Ausländer" aussehe und denen ja das Geld ins Land bringe. Aber wenn ich in Deutschland ein U-Bahn Ticket kaufe, wird man doch in der Regel von einem Gesichtsausdruck begrüßt, der aussieht als wäre gerade jemand gestorben.

Insektenvernichtung in Singapur.

Ans Essen hier in Singapur muss man sich erst einmal gewöhnen: In einer der zahlreichen Uni Kantinen gibt es jeweils mehrere Essensstände. Jeder widmet sich einem speziellen Land, so zum Beispiel "chinesische Küche", "Thailändisch", "Japanisch", etc. Abgesehen davon, dass ich regelmäßig Probleme habe, das Essen hier zu identifizieren (Beim Großteil weiß ich nur dass es gut schmeckt, und nicht was es genau ist), ist das Essen schon fast lächerlich billig. Für 2 $ (1 €) bekommt man hier einen Berg von Reismit allerlei merkwürdigen Beilagen (die zumindest nach Fisch schmecken). Übrigens habe ich in meinem Leben bisher noch nie so viel Reis in so kurzer Zeit gegessen. Ach ja, daran dass die Chinesen irgendwie andere Tischgewohnheiten haben (um es mal neutral auszurücken) gewöhnt man sich auch relativ schnell. Und dran denken: Nix Scharfes essen wenn man es nicht gewohnt ist. Denn bei der Hitze UND scharfem Essen ist man danach schonmal ziemlich nass am Rücken...

Seit ich hier bin haben sich meine Essgewohnheiten übrigens sehr in Richtung asiatische Essgewohnheiten verändert. Die Menschen in Singapur essen nämlich sehr sehr selten etwas zum Frühstück (es sei denn sie essen schon morgens Reis mit Hühnchen, was ich wirklich nicht runter bekomme). Das hört sich für Europäer recht barbarisch an, ist für die Asiaten aber irgendwie kein Problem. Um dem zu entgehen habe ich mir gestern erstmal eine gepflegte Packung Cornflakes mit Milch (siehe Bilder) gekauft, wenigstens ein Stück westliche Heimat beim Frühstück...

Für Europäer ein Erlebnis:
Freilaufende Schildkröten

Letzte Woche war dann der "Rag Day 2005" der Uni (siehe Bilder). Alle Fakultäten und Wohnblocks traten in einem Wettbewerb gegeneinander an, wer das schönste "Float" (Vergleichbar mit einem Fastnachtswagen, nur etwa doppelt so viel Aufwand) mit zugehöriger Tanz-Performance auf die Beine gestellt hat. Was man dort teilweise geboten bekam, hat mir echt die Sprache verschlagen (auch wenn es auf den Bildern schlecht rüberkommt). Eine Veranstaltung wie diese wäre an einer deutschen Uni nie möglich, da sich niemand dermaßen stark mit seiner Uni identifiziert, um hunderte von Stunden Arbeit in den Wagen, die Kostüme und die Tanzaufführung zu stecken. Schade eigentlich.
Ein entscheidendes Kriterium der Jury war übrigens auch die Qualität des "Cheering" der Mitglieder, also wie laut / originell das eigene Team angefeuert wurde. Spätestens hier merkt der unbedarfte Westeuropäer, dass solche Sachen in Asien irgendwie anders laufen: Ein derart emotional geladene Armee (mit Stirnband!) findet man sonst nur beim Morgenappell im Stammwerk bei Toyota in Japan.

Detail am Rande: Diese Veranstaltung ist übrigens so wichtig, dass selbst der Präsident von Singapur persönlich anwesend war, um die Gewinner zu ehren. Dass er in einem Mercedes kam, fand irgendwie nur ich beeindruckend...

DVD Abende haben hier übrigens einen besonderen Reiz. So beispielsweise mit meinem chinesischen und australischen Nachbar den deutschen Film "Das Boot" anschauen. Oder wenn mein chinesischer Nachbar beim Film "The Last Samurai" die ganzen japanischen Rituale erklären kann. Auch nicht schlecht...

Soviel für den Moment. Jedem Asien-Interessierten kann ich nur die aktuelle Ausgabe des SPIEGEL empfehlen (kommt bei erst heute raus, ich hatte die Online Ausgabe schon seit gestern :-). Thema: Asien als Gegengewicht zu den USA. Sehr interessant...

Typisch Singapur: Kaugummi liegt in Museum hinter der Vitrine

Übrigens hat unsere Uni drei erstklassige Dokumentationen zum 100 jährigen Bestehen veröffentlicht. Wer der englischen Sprache ein wenig mächtig ist oder sich einfach nur die Bilder ansehen möchte, dem kann ich die Videos nur wärmstens empfehlen, da sie einen sehr guten Eindruck von der Vielschichtigkeit der Uni hier vermitteln.

Diese Woche steht erstmal nach dem Nationalfeiertag (Militärparade und Feuerwerk) der Beginn der Uni an, da werden wohl noch einige Bilder folgen. Einen Vorgeschmack auf den Nationalfeiertag konnte ich schonmal während der Proben zur Parade aufschnappen (Video 1, Video 2). Witziges Detail am Rande: In Video 1 hört man den Typ mit dem Megafon recht deutlich, der den Kindern lautstark mitteilt, was sie zu tun haben... :-)

Wie gesagt, ich freue mich über Feedback aus Deutschland. Einfach eMail schreiben oder im Gästebuch posten...

Soweit für den Moment. Alles weitere findet man in der "Bilder" Rubrik, die größtenteils mit Kommentaren versehen sind.

stefan:.

Forsetzung folgt...