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3. Jan 2006 - 13. Jan 2006: Roadtrip Kalifornien / USA




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Las Vegas

San Diego

Los Angeles

Route No 1

San Francisco



Kennt noch jemand den Film "Easy Rider", in welchem Dennis Hopper und Peter Fonda mit ihren Motorrädern quer durch die USA cruisen? Falls nicht: "Here weg go" der Roadtrip Route No. 1:

Vorweg: Über die einzelnen Stationen unseres Roadtrips werde ich wenig schreiben, da man sich hier am Besten die Bilder ansieht.

Die Mutter aller Straßen: "Highway No. 1"
Man beachte die Einschusslöcher im Schild.

Als kurze Erklärung: Meine Schlenz-Zeit zwischen meinen beiden Auslandssemestern (Dezember - Januar)sollte mit einem Roadtrip in Kalifornien zusammen mit meinem Freund Phil gekrönt werden. Geplant war, mit einem Mietwagen von San Diego mit Abstecher nach Tijuana / Mexiko über Los Angeles den legendären Highway No 1 an der Küste vorbei nach San Francisco zu fahren, eine knapp 1300 km lange Strecke.

Soweit so gut. Wie immer bei solchen Mammut-Events ließen sich jedoch kleinere Startschwierigkeiten nicht vollständig vermeiden. Sprich: Durch, sagen wir mal "kleinere Kommunikationsprobleme" zwischen Phil und mir im Vorfeld (immerhin war vorher auf Fiji quasi nicht zu erreichen) gab es etwas Unstimmigkeit darüber, wann wir uns wo treffen, und wer wann den Mietwagen wo abholt. Konkret: Erst als ich in Los Angeles am Flughafen ankam realisierten wir, dass Phil ja schon in Las Vegas war während ich noch in Los Angeles stand. :) Also lag es an mir, den Mietwagen zu beschaffen und dann damit nach Las Vegas zu fahren um Phil abzuholen.

Stichwort "Gigantismus".
Muss ich das Bild wirklich kommentieren? :)

Nun klingt das alles recht unspektakulär. Spannender wirds jedoch wenn man bedenkt, dass ich eigentlich nicht wirklich auf eine vierstündige Fahrt von einer Metropole in eine andere in einem fremden Land vorbereitet war, geschweige denn Kartenmaterial oder sonstiges dabei hatte um meinen Weg nach Las Vegas zu finden (von Jetlag und fünfmonatiger Auto-Abstinenz in Singapur mal ganz zu schweigen). Das war dann wohl in etwa die gleiche Situation wie wenn man einen übermüdeten Afrikaner am Frankfurter Kreuz rauslässt und ihm dann sagt "Ok, jetzt fahr du mal nach Berlin."

Wie auch immer (hat trotzdem wunderbar funktioniert). Nach meiner Ankunft in Vegas (stilecht traf ich Phil auf dem "Strip" vor einem der zahlreichen Casinos) fiel mir mal bei Gelegenheit ein weiteres Extrema meines gesamten Trips auf: Noch einen Tag zuvor hatte ich in Fiji auf Mana Island alleine am Strand gelegen, und nicht mal 36 Stunden später bin ich schon um den halben Globus geflogen, mit dem Auto von Los Angeles nach Las Vegas durch halb Californien und Nevada gefahren um im Anschluss daran gemütlich über den "Strip" vorbei an Casinos zu marschiert.

Was einem als Europäer an Amerika sofort auffällt sind die schier unglaubliche Anzahl an Superlativen und Extrema auf der einen, und die teils erschreckenden Gegensätze auf der anderen Seite. Um nur mal ein Paar davon zu nennen:

Den Schriftzug kennt man wohl... :)

Gigantismus:
Alles was man aus Europa kennt, ist in Amerika mindestens doppelt so groß. Das fängt bei Autos an, geht über Hamburger über Hotels bis zu den Entfernungen zwischen zwei Städten.

Reichtum - Armut:
Es gibt wohl nur sehr wenige Länder, in denen teils überwältigender Reichtum so nah an erschreckender Armut liegt. Einerseits gibt es da den "Rodeo Drive" in Los Angeles (nahe Hollywood und Beverly Hills, übrigens der Drehort von "Pretty Woman") auf welchem selbst die Metropolen Hong Kong und Singapur in puncto "Protz" noch um einiges übertroffen werden, so dass man als Europäer aus dem Staunen schlichtweg nicht mehr herauskommt: Nicht nur geben sich dort die großen Luxusartikel-Hersteller auf diesem kurzen Stück Straße in einer unglaublichen Dichte die Klinke in die Hand, auch fahren dort innerhalb weniger Minuten schonmal eine Million US $ an Fahrzeugen (Rolls, Bentley, Maybach, Mercedes) an einem vorbei. Verlässt man dann aber mal die glitzernden Zentren der reichen Stadtteile, wird man schnell von Obdachlosensiedlungen unter Brücken sowie heruntergekommenen Wohngegenden schockiert.

Größe der Städte:
Wer immer noch glaubt Trier sei wirklich die "Hauptstadt von Europa" (so oder ähnlich geht doch das berüchtigte Lied der Trierer Fußballfans ;) der soll vielleicht mal nach Los Angeles fliegen. Immerhin brauchte ich dort zwei Stunden (!) um mal gerade mit dem Auto vom Zentrum an den Stadtrand zu kommen (bei einigermaßen freier Straße wohlgemerkt. Also Dimensionen, die einem als Europäer total fremd sind.

Las Vegas vom 300m hohen "Stratosphere Tower":
Unglaubliche Aussicht garantiert.

Entfernungen zwischen den Städten:
Nicht selten kommt es vor, dass man zwischen zwei Städten mal gut 300 km auf einer schnurgeraden Autobahn durch hügelloses Land fährt, ohne auch nur irgendetwas interessantes zu sehen. So geschehen beispielsweise auf unserer Heimfahrt zurück nach Los Angeles. Hier passieren die meisten Unfälle wohl schlichtweg durch Einschlafen des Fahrers, weil diese Strecken einfach so furchtbar langweilig sind. :)

Las Vegas als untimativen Superlativ:
Als ob es nicht schon extrem genug wäre, Las Vegas inmitten einer Wüste hochzuziehen, protzt Las Vegas nur so mit Superlativen: Auf dem berühmten "Strip" (der Casino-Strasse) stehen nicht nur 18 der 20 weltgrößten Hotels (!) sondern auch das einzige Bauwerk, dessen Lichtstrahl man noch vom Mond aus sehen kann: Das Pyramiden-Casino "Luxor" strahlt einen gewaltigen Laserstrahl in den Himmel, den man sogar noch aus 70 km Entfernung auf dem Highway sehen kann und die Anfahrt nach Las Vegas ungeheim vereinfacht (fast wie die Seefahrer im Mittelalter :) . Zudem gibt es in Las Vegas einen 300 Meter hohen Fernsehturm auf dessen Spitze (Achtung: Jetzt kommts) eine Achterbahn und ein Freefall Tower angebracht wurden (!). (Die Achterbahn wird unseren Informationen nach aber gerade abgebaut, da die Fliehkräfte der Wagons den Turm zum wanken gebracht haben : )

Kurze Rast auf dem Highway No. 1

Liberales und weltfremdes Amerika:
Es gibt auf der anderen Seite aber wohl auch nur sehr wenige Länder, in denen krasse Gegensätze in puncto Weltanschauung so dicht beeinander liegen. Einerseits San Francisco als liberale Hochburg, in denen die Menschen schon lange nicht mehr glauben, die Welt sei eine Scheibe und Amerika dessen Mittelpunkt. Auf der anderen Seite dann aber auch Kleinstädte an einem der zahlreichen Highways mitten im Nirgendwo. Dort kann man beim Anblick von fundamentalistischen Christen in T-Shirts mit der Aufschrift "Jesus is Lord" (dt: Jesus ist der Herr) als halbwegs aufgeklärter Europäer nur traurig den Kopf schütteln. Aber das wird an meiner Uni in Virginia wohl noch extremer werden… :)

Was einem als Europäer dann aber auch noch auffällt ist schlichtweg die Tatsache, dass allein der Staat Kalifornien nicht zuletzt wegen der Technologie-Hochburg "Silicon Valley" die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt darstellen würde (wäre es denn ein unabhängiges Land wäre). Und als ob das nicht schon verrückt genug wäre, wird dieser Staat von einem ehemaligen Bodybuilder aus Österreich, Arnold Schwarzenegger regiert. Verrückte Welt.
Und Stichwort "Technologie-Hochburg": Auch wenn wir das Silicon Valley wegen unserem engen Zeitplan leider streichen mussten, so konnte ich doch zumindest dem Animationsstudio "Pixar" (Findet Nemo) einen Besuch abstatten (wenn auch nur von außen). :(

Die Golden Gate Bridge in ihrer ganzen Pracht

Was an unserem Roadtrip natürlich auch nicht fehlen durfte war der wohl berühmteste Stadtteil von Los Angeles: Hollywood, Pilgerstädte zahlreicher Fans und Heimat der Stars und Sternchen. Pflichtbesuch waren hier neben dem "Walk of Fame" natürlich das "Kodak Theater", wo im April regelmäßig die Oscars verliehen werden (dass die Firma Kodak wirtschaftlich auch schon mal besser dastand, erwähnt hier keiner).
Jetzt ist man als harmloser Filmfan natürlich daran interessiert, wo denn so ein "Star" wie Tom Hanks oder Steven Spielberg privat wohnt, weswegen wir uns mit einer Karte bewaffnet in die noblen Wohngegenden aufgemacht haben. Die ersten drei Besuche waren eher weniger spektakulär: Sowohl Tobey Maguire (Spiderman), als auch Winona Ryder (Girls Interrupted) und Regie-Gott Steven Spielberg ließen relativ wenig von ihrem Anwesen durchsickern, so dass man außer einem großen Tor / Hecke / Betonwand nichts (NULL) zu Gesicht bekam. Überraschung dann bei Tom Hanks: Dieser wohnt in einem wirklich normalen Haus ohne riesige Mauer (falls unsere Karte denn stimmte). Ich wusste der Kerl ist mir sympatisch… :)

Um mal ein Fazit des gesamten Roadtrips zu ziehen: Das ganze war die beste Entscheidung seit langem. Nicht nur, dass wir jede Menge Spass hatten und unglaublich viele und beeindruckende Sachen erlebt und gesehen haben, sondern auch weil mein erster persönlicher Eindruck von Amerika derart positiv ausgefallen ist. Und auch wenn mich gegen Ende meiner fünfwöchtigen Rundreise das "aus dem Koffer leben" etwas angenervt hat und ich mich deswegen auf Virginia gefreut habe, so bin ich doch beim Schreiben dieser Zeilen irgendwie traurig, dass diese Zeit so schnell vorüber gegangen ist.

In diesem Sinne…

stefan:.


Forsetzung folgt...