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5. - 11. Dezember 2005: Hong Kong, China und Macau



Der berühmte Ausblick vom "Victoria Peak"

Da bin ich also: Hong Kong, die erste Station meiner fünfwöchigen Reise über Sydney, Neuseeland und Fiji in die USA zum zweiten Semester meines Auslandsjahres.

Um es mal kurz zusammen zu fassen: Hong Kong ist alles was Singapur war, nur noch viel größer, lauter und spektakulärer. Und viel kälter (12 - 14°), was mich am ersten Tag ziemlich aus den Socken gehauen hat. Na zumindest kam bei den Temperaturen endlich mal etwas Weihnachtsstimmung auf, denn mein Hirn hat in Singapur "Weihnachtsmusik" auf der einen und "30° Lufttemperatur" auf der anderen Seite nicht so wirklich auf die Reihe bekommen.

Glücklicherweise wurde ich schon vor meiner Ankuft in Hong Kong auf das vorbereitet, was mich in meinem Hotelzimmer erwarten würde: Man sagte mir, in meinem dortigen Wohnviertel wohnen sonst nur die "Knechte" sowie die Unterschicht. Naja. Nichtsahnend wanderte ich vor Ort frohen Mutes zum gebuchten Hostel, wo mir dann auch tatsächlich ganze 4,5 qm (habs extra ausgemessen) ohne Fenster als Zimmer zugewiesen wurden. Für jemanden wie mich, der als Kind auf dem Land aufgewachsen ist (hach wie romantisch) war das schon ein ziemlicher Schocker.

Typisches Bild einer Einkaufsstraße in Hong Kong

Der Platzmangel auf meinem Zimmer brachte aber auch ganz konkrete Alltagsprobleme mit sich. Beispiel:
Auf einer Reise lebt man normalerweise aus dem Koffer. Dumm nur, dass in meinem Zimmer kein Platz war, um den Koffer auch nur annähernd irgendwo hinzulegen. Unters Bett schieben war keine Alternative, da man, um ihn da wieder raus zu bekommen, das Bett etwas anheben musste, was aber nur ging, wenn man die Tür öffnete und dann vom Flur aus am Koffer zieht. In dem Fall bekam man dann die Tür aber nicht mehr zu (denn da lag ja dann der Koffer).
Da mir diese Prozedur verständlicherweise viel zu kompliziert war, entschloss ich mich, den Koffer einfach an der einzigen freien Stelle meines Zimmers liegen zu lassen. Das hatte dann aber wiederum den Nachteil, dass die Tür nicht mehr vernünftig aufging und ich mich jedes Mal durch einen 15 cm Schlitz quetschen und um ins Bad zu kommen über meinen Koffer springen musste. Tolle Sache… :

Naja, der ganze Platzmangel relativiert sich, wenn man bedenkt dass in Hong Kong angeblich Leute noch auf weit weniger als 4 qm wohnen (eigentlich kaum vorstellbar). Da haben wir als Deutsche schon verdammt hohe Ansprüche, und 4 qm erscheinen plötzlich wieder unglaublich viel. Für eine Woche Urlaub waren 4 qm gerade noch akzeptabel, für immer wären für einen Europäer hingegen die Depressionen vorprogrammiert.
Und nebenbei: Mein Wohnviertel in Hong Kong (New Kowloon) war übrigens der Ort mit der höchsten Bevölkerungsdichte weltweit (!) (kein Witz, 50.000 Einwohner pro Quadratkilometer). Also am Besten mal die Bilder von meinem Wohnblock anschauen, da wird glaub ich recht deutlich wie krass das hier ist.

Surreale Szene, manchen vielleicht
bekannt aus "StarCraft".

In der ersten Nacht im Hostel gab es dann auch schon den ersten Besuch von der Staatsgewalt: Wegen der anstehenden WTO Konferenz in HK wurden mehr oder weniger systematisch alle Wohnblöcke nach Terroristen gefilzt. So kam es, dass ich nachts um 2 ziemlich unsanft von der Polizei geweckt wurde (*bum bum bum* "Open up, Police!"). Ziemlich unwirkliche Situation: Mein Kopf liegt ja wegen des kleinen Zimmers nur 20 cm von der Tür entfernt, und als ich dem Polizist noch im Halbschlaf vom Bett aus die Tür öffnete, stand er im Prinzip direkt neben meinem Bett…

In puncto Kaufrausch steht Hong Kong dem bisherigen Spitzenreiter Singapur in nichts nach: Was an einem normalen Werktag noch nachts um 1 Uhr auf den Einkaufsstraßen los ist (siehe Bildergalerie) übertrifft selbst noch den Winterschlussverkauf in Deutschland um circa Faktor 138. Und die allabendliche Lightshow der Skyline von Hong Kong (welche übrigens die beeindruckendste der Welt sein soll) lässt sich auch nur am Besten mit Bildern beschreiben (siehe Bildergalerie). Nur soviel: Man stelle sich vor, das insgesamt 20 Hochhäuser zur Musik vor sich hin blinken, die Farbe wechseln und das ganze mit einer Lasershow abgerundet wird. "Absolut beeindruckend" trifft es am Ehesten.

Mein erster Tagesausflug nach Macau (portugisische Kolonie welche 1999 an China zurückgegeben wurde) war übrigens spitze. Eben noch in Asien, fühlt man sich in Macau auf einmal ins mediterane Europa zurückversetzt: Überall gotische Kirchen und mediterane Gebäude, dazu teilweise portugisisches Essen und portugisisch als zweite Amtssprache. Insgesamt ein sehr sehr schöner Ausflug, was hoffentlich auch auf den Bildern rüberkommt.

Unser Held im Gegenlicht der Sonne.

Mein zweiter Tagesausflug sollte dann nach Shenzen / China gehen (da kann man von Hong Kong relativ unkompliziert mit dem Zug hinfahren). Um es mal kurz zusammenzufassen: Die Stadt ist weder schön noch interessant, sondern schlichtweg eine "Werkbank" für Exportprodukte nach Westen. An allen Ecken und Enden merkt man, dass hier nicht gelebt, sondern hauptsächlich gearbeitet werden soll. Keins der hässlichen Gebäude passt zum anderen, Highways direkt neben Wohnblöcken, und Einkaufszentren die ihren Namen eigentlich nicht verdienen. Kurz: Shenzen ist von westlichem Standard noch etwa so weit entfernt wie der Papst von der Schwulen-Ehe. Oder um es nicht so negativ zu formulieren: Da ist noch viel Entwicklungspotenzial, und das Geld, was wir in Deutschland halt momentan noch zum "Leben/Konsum" ausgeben, brauchen die Chinesen schlichtweg (noch) nicht, weswegen dort auch mit geringere Löhne akzeptiert werden. In Deutschland würden bei ähnlichen Löhnen sofort mit "aber dann kann ich nur noch einmal im Jahr in Urlaub fahren" etc gelaufen kommen (bewusst provokant formuliert). In China hingegen existiert das Wort "Urlaub" wohl nur vom Hörensagen.
Inmitten dieser sehr chaotischen und dreckigen Stadt haben die Chinesen merkwürdigerweise eine U-Bahn hingezimmert, die sich mit Recht 'modernste U-Bahn der Welt' nennen könnte. Umso größer ist dann jedoch jedes Mal der Schock, wenn man von der "Unterwelt" (Hochglanz-U-Bahn-Station) in die normale (teilweise noch unterentwickelte) "Oberwelt" aufsteigt.
Interessantes Detail am Rande: Trotz Chinas Talent zum billigen Produzieren musste die die komplette U-Bahn Technik aus dem "alten Europa" importiert werden: Die Wagons kommen von Bombardier und die Transporttechnik von Thyssen-Krupp. Noch…

Coke bei 3 Grad.

Insgesamt war China besonders im Hinblick auf Copyright und Urheberrechte sehr erschreckend. In allen Geschäften konnte man ganz offiziell gefälschte Waren kaufen. DVDs die vom Original nicht mehr zu unterscheiden waren kosteten weniger als 1 Euro, genau wie gefälschte IBM PC-Mäuse und Klamotten jeglicher Art (da sieht man mal was in Deutschland an dem Kram an Geld verdient wird).
Auch wurden in einem Park bedeutende Sehenswürdigkeiten verschiedendster Länder als kleinere Modelle "kopiert" und nachgebaut. Vom Eifelturm über Kölner Dom bis Tower Bridge war alles dabei. Der Slogan des Parks "Welcome to our world" kann in dem Zusammenhang der überall präsenten Fälschungen dann eigentlich nur noch als Drohung verstanden werden.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass der Trip nach China zwar sehr sehr lehrreich, aber nicht besonders schön (im Sinne von "touristisch-schön") war. Aber ich bin ja auch nicht zum Vergnügen unterwegs… :)

Zwei off-topic Dinge wollte ich übrigens noch kurz loswerden:
1) Frauen auf dem Bau: Wie überall in Asien ist es hier vollkommen normal, dass Frauen auf dem Bau arbeiten. Bei genauerer Überlegung fragt man sich doch auch, warum sowas in Deutschland eigentlich so undenkbar ist. Ich will jetzt hier keine Feminismus-Debatte lostreten, aber zur vollständigen Gleichberechtigung würden doch auch die weniger schöne Aspekt zählen, oder?
2) Tischmanieren: Man kann jetzt darüber streiten, ob man als Europäer verschiedene Bräuche anderer Kulturen nicht nur als "anders" sondern auch als "unhöflich" bezeichnen darf, ohne gleich als "arrogant" oder "intolerant" gebrandmarkt zu werden. Beispielsweise konnte ich mich auch nach über 4 Monaten in Asien nicht an die Essgewohnheiten der Asiaten gewöhnen. Denn "Essen in den Mund zu nehmen und wieder auf den Teller spucken", laut schmatzen, dabei munter mit dem Nachbarn zu plaudern, rülpsen, Schleim hochziehen und vor einem auf die Straße spucken, in der Nase popeln und dann wegschießen etc ist nach meinem Wertebild teilweise doch recht unhöflich.

"A Symphony of Lights" in voller Aktion

Soviel aus Hong Kong. Übrigens war der Zeitpunkt meiner Abreise sehr glücklich, da im Flur des Hauses schon seit geraumer Zeit meinem Mieter wegen Zahlungsverzug mit Zwangsräumung gedroht wurde. Die ganze "Räumungsparty" sollte am 15. Dezember steigen, wie gut also dass es für mich ab dem 11. nach Sydney weiterging.

Und eins noch: Über meine kurzen Haare auf den Bildern nicht wundern: Als ich das letzte Mal beim Frisör war (an meinem vorletzten Tag in Singapur) hab ich einfach gesagt, er soll alles runter machen. Sprich: Hab jetzt 8 mm Haare... :) Das wollte ich nämlich schon immer mal machen, nur war das halt immer so ein Problem, das ja ständig irgendwelche Leute (Eltern, Freunde, etc) an mir rumgenörgelt hätten. Und da ich die nächsten 5 Wochen erstmal alleine unterwegs sein werde, hab ich mir gedacht die Gelegenheit wäre sehr günstig... :)

Soviel für den Moment. Auf jeden Fall die Bilder von Hong Kong nicht vergessen. Oder einfach mal was im Gästebuch posten...

stefan:.


Forsetzung folgt...