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Der berühmte Ausblick vom "Victoria
Peak" |
Da bin ich also: Hong Kong, die erste Station meiner fünfwöchigen
Reise über Sydney, Neuseeland und Fiji in die USA zum zweiten
Semester meines Auslandsjahres.
Um es mal kurz zusammen zu fassen: Hong Kong ist alles was Singapur
war, nur noch viel größer, lauter und spektakulärer.
Und viel kälter (12 - 14°), was mich am ersten Tag ziemlich
aus den Socken gehauen hat. Na zumindest kam bei den Temperaturen endlich
mal etwas Weihnachtsstimmung auf, denn mein Hirn hat in Singapur "Weihnachtsmusik"
auf der einen und "30° Lufttemperatur" auf der anderen
Seite nicht so wirklich auf die Reihe bekommen.
Glücklicherweise wurde ich schon vor meiner Ankuft in Hong Kong
auf das vorbereitet, was mich in meinem Hotelzimmer erwarten würde:
Man sagte mir, in meinem dortigen Wohnviertel wohnen sonst nur die
"Knechte" sowie die Unterschicht. Naja. Nichtsahnend wanderte
ich vor Ort frohen Mutes zum gebuchten Hostel, wo mir dann auch tatsächlich
ganze 4,5 qm (habs extra ausgemessen) ohne Fenster als Zimmer zugewiesen
wurden. Für jemanden wie mich, der als Kind auf dem Land aufgewachsen
ist (hach wie romantisch) war das schon ein ziemlicher Schocker.
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Typisches Bild einer Einkaufsstraße in
Hong Kong |
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Der Platzmangel auf meinem Zimmer brachte aber auch ganz konkrete
Alltagsprobleme mit sich. Beispiel:
Auf einer Reise lebt man normalerweise aus dem Koffer. Dumm nur, dass
in meinem Zimmer kein Platz war, um den Koffer auch nur annähernd
irgendwo hinzulegen. Unters Bett schieben war keine Alternative, da
man, um ihn da wieder raus zu bekommen, das Bett etwas anheben musste,
was aber nur ging, wenn man die Tür öffnete und dann vom
Flur aus am Koffer zieht. In dem Fall bekam man dann die Tür aber
nicht mehr zu (denn da lag ja dann der Koffer).
Da mir diese Prozedur verständlicherweise viel zu kompliziert
war, entschloss ich mich, den Koffer einfach an der einzigen freien
Stelle meines Zimmers liegen zu lassen. Das hatte dann aber wiederum
den Nachteil, dass die Tür nicht mehr vernünftig aufging
und ich mich jedes Mal durch einen 15 cm Schlitz quetschen und um ins
Bad zu kommen über meinen Koffer springen musste. Tolle Sache…
:
Naja, der ganze Platzmangel relativiert sich, wenn man bedenkt dass
in Hong Kong angeblich Leute noch auf weit weniger als 4 qm wohnen
(eigentlich kaum vorstellbar). Da haben wir als Deutsche schon verdammt
hohe Ansprüche, und 4 qm erscheinen plötzlich wieder unglaublich
viel. Für eine Woche Urlaub waren 4 qm gerade noch akzeptabel,
für immer wären für einen Europäer hingegen die
Depressionen vorprogrammiert.
Und nebenbei: Mein Wohnviertel in Hong Kong (New Kowloon) war übrigens
der Ort mit der höchsten Bevölkerungsdichte weltweit (!)
(kein Witz, 50.000 Einwohner pro Quadratkilometer). Also am Besten
mal die Bilder von meinem Wohnblock
anschauen, da wird glaub ich recht deutlich wie krass das hier ist.
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Surreale Szene, manchen vielleicht
bekannt aus "StarCraft". |
In der ersten Nacht im Hostel gab es dann auch schon den ersten
Besuch von der Staatsgewalt: Wegen der anstehenden WTO Konferenz in
HK wurden mehr oder weniger systematisch alle Wohnblöcke nach
Terroristen gefilzt. So kam es, dass ich nachts um 2 ziemlich unsanft
von der Polizei geweckt wurde (*bum bum bum* "Open up, Police!").
Ziemlich unwirkliche Situation: Mein Kopf liegt ja wegen des kleinen
Zimmers nur 20 cm von der Tür entfernt, und als ich dem Polizist
noch im Halbschlaf vom Bett aus die Tür öffnete, stand er
im Prinzip direkt neben meinem Bett…
In puncto Kaufrausch steht Hong Kong dem bisherigen Spitzenreiter Singapur
in nichts nach: Was an einem normalen Werktag noch nachts um 1 Uhr
auf den Einkaufsstraßen los ist (siehe Bildergalerie)
übertrifft selbst noch den Winterschlussverkauf in Deutschland
um circa Faktor 138. Und die allabendliche Lightshow der Skyline von
Hong Kong (welche übrigens die beeindruckendste der Welt sein
soll) lässt sich auch nur am Besten mit Bildern beschreiben (siehe
Bildergalerie). Nur soviel: Man stelle
sich vor, das insgesamt 20 Hochhäuser zur Musik vor sich hin blinken,
die Farbe wechseln und das ganze mit einer Lasershow abgerundet wird.
"Absolut beeindruckend" trifft es am Ehesten.
Mein erster Tagesausflug nach Macau (portugisische Kolonie welche 1999
an China zurückgegeben wurde) war übrigens spitze. Eben noch
in Asien, fühlt man sich in Macau auf einmal ins mediterane Europa
zurückversetzt: Überall gotische Kirchen und mediterane Gebäude,
dazu teilweise portugisisches Essen und portugisisch als zweite Amtssprache.
Insgesamt ein sehr sehr schöner Ausflug, was hoffentlich auch
auf den Bildern rüberkommt.
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Unser Held im Gegenlicht der Sonne. |
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Mein zweiter Tagesausflug sollte dann nach Shenzen / China gehen
(da kann man von Hong Kong relativ unkompliziert mit dem Zug hinfahren).
Um es mal kurz zusammenzufassen: Die Stadt ist weder schön noch
interessant, sondern schlichtweg eine "Werkbank" für
Exportprodukte nach Westen. An allen Ecken und Enden merkt man, dass
hier nicht gelebt, sondern hauptsächlich gearbeitet werden soll.
Keins der hässlichen Gebäude passt zum anderen, Highways
direkt neben Wohnblöcken, und Einkaufszentren die ihren Namen
eigentlich nicht verdienen. Kurz: Shenzen ist von westlichem Standard
noch etwa so weit entfernt wie der Papst von der Schwulen-Ehe. Oder
um es nicht so negativ zu formulieren: Da ist noch viel Entwicklungspotenzial,
und das Geld, was wir in Deutschland halt momentan noch zum "Leben/Konsum"
ausgeben, brauchen die Chinesen schlichtweg (noch) nicht, weswegen
dort auch mit geringere Löhne akzeptiert werden. In Deutschland
würden bei ähnlichen Löhnen sofort mit "aber dann
kann ich nur noch einmal im Jahr in Urlaub fahren" etc gelaufen
kommen (bewusst provokant formuliert). In China hingegen existiert
das Wort "Urlaub" wohl nur vom Hörensagen.
Inmitten dieser sehr chaotischen und dreckigen Stadt haben die Chinesen
merkwürdigerweise eine U-Bahn hingezimmert, die sich mit Recht
'modernste U-Bahn der Welt' nennen könnte. Umso größer
ist dann jedoch jedes Mal der Schock, wenn man von der "Unterwelt"
(Hochglanz-U-Bahn-Station) in die normale (teilweise noch unterentwickelte)
"Oberwelt" aufsteigt.
Interessantes Detail am Rande: Trotz Chinas Talent zum billigen Produzieren
musste die die komplette U-Bahn Technik aus dem "alten Europa"
importiert werden: Die Wagons kommen von Bombardier und die Transporttechnik
von Thyssen-Krupp. Noch…
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Coke bei 3 Grad. |
Insgesamt war China besonders im Hinblick auf Copyright und Urheberrechte
sehr erschreckend. In allen Geschäften konnte man ganz offiziell
gefälschte Waren kaufen. DVDs die vom Original nicht mehr zu unterscheiden
waren kosteten weniger als 1 Euro, genau wie gefälschte IBM PC-Mäuse
und Klamotten jeglicher Art (da sieht man mal was in Deutschland an
dem Kram an Geld verdient wird).
Auch wurden in einem Park bedeutende Sehenswürdigkeiten verschiedendster
Länder als kleinere Modelle "kopiert" und nachgebaut.
Vom Eifelturm über Kölner Dom bis Tower Bridge war alles
dabei. Der Slogan des Parks "Welcome to our world" kann in
dem Zusammenhang der überall präsenten Fälschungen dann
eigentlich nur noch als Drohung verstanden werden.
Insgesamt bleibt zu sagen, dass der Trip nach China zwar sehr sehr
lehrreich, aber nicht besonders schön (im Sinne von "touristisch-schön")
war. Aber ich bin ja auch nicht zum Vergnügen unterwegs…
:)
Zwei off-topic Dinge wollte ich übrigens noch kurz loswerden:
1) Frauen auf dem Bau: Wie überall in Asien ist es hier vollkommen
normal, dass Frauen auf dem Bau arbeiten. Bei genauerer Überlegung
fragt man sich doch auch, warum sowas in Deutschland eigentlich so
undenkbar ist. Ich will jetzt hier keine Feminismus-Debatte lostreten,
aber zur vollständigen Gleichberechtigung würden doch auch
die weniger schöne Aspekt zählen, oder?
2) Tischmanieren: Man kann jetzt darüber streiten, ob man als
Europäer verschiedene Bräuche anderer Kulturen nicht nur
als "anders" sondern auch als "unhöflich"
bezeichnen darf, ohne gleich als "arrogant" oder "intolerant"
gebrandmarkt zu werden. Beispielsweise konnte ich mich auch nach über
4 Monaten in Asien nicht an die Essgewohnheiten der Asiaten gewöhnen.
Denn "Essen in den Mund zu nehmen und wieder auf den Teller spucken",
laut schmatzen, dabei munter mit dem Nachbarn zu plaudern, rülpsen,
Schleim hochziehen und vor einem auf die Straße spucken, in der
Nase popeln und dann wegschießen etc ist nach meinem Wertebild
teilweise doch recht unhöflich.
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"A Symphony of Lights" in voller
Aktion |
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Soviel aus Hong Kong. Übrigens war der Zeitpunkt meiner Abreise
sehr glücklich, da im Flur des Hauses schon seit geraumer Zeit
meinem Mieter wegen Zahlungsverzug mit Zwangsräumung gedroht wurde.
Die ganze "Räumungsparty" sollte am 15. Dezember steigen,
wie gut also dass es für mich ab dem 11. nach Sydney weiterging.
Und eins noch: Über meine kurzen Haare auf den Bildern nicht wundern:
Als ich das letzte Mal beim Frisör war (an meinem vorletzten Tag
in Singapur) hab ich einfach gesagt, er soll alles runter machen. Sprich:
Hab jetzt 8 mm Haare... :) Das wollte ich nämlich schon immer
mal machen, nur war das halt immer so ein Problem, das ja ständig
irgendwelche Leute (Eltern, Freunde, etc) an mir rumgenörgelt
hätten. Und da ich die nächsten 5 Wochen erstmal alleine
unterwegs sein werde, hab ich mir gedacht die Gelegenheit wäre
sehr günstig... :)
Soviel für den Moment. Auf jeden Fall die Bilder
von Hong Kong nicht vergessen. Oder einfach mal was im Gästebuch
posten...
stefan:.
Forsetzung folgt...