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1. Jan 2006 - 3. Jan 2006: Fiji



Weiße Strände, blaues Meer, rote Blume im Haar:
Das kann ja nur Fiji sein.

Kennt noch jemand den Schnulzfilm "Die Blaue Lagune" aus den 70er Jahren? Oder etwa den legendären Nachfolger "Die Rückkehr zur blauen Lagune" aus den 90ern? Nicht??? Ich auch nicht! Aber vielleicht das geheime Reiseziel von Jim Carrey Film "Die Truman Show"? Na? Immer noch nicht? Spätestens beim Filmtitel "Verschollen" mit Tom Hanks müsste der Groschen aber eigentlich fallen. Denn was haben alle Filme gemeinsam? Richtig: Sie handeln entweder von Fiji oder wurden hier gedreht (dazu später mehr).

Quizfrage vorweg: Woran merkt der aufmerksame Reisende :-), dass er im Flieger nach Fiji sitzt? Na? - Man wird freundlich von der gesamten Sitzreihe neben einem gebeten (in meinem Fall ein älterer graubärtiger Herr Anfang 70 sowie seine Gattin, etwa gleiches Baujahr, beide Fiji-Staatsbürger) die Immigrations-Karte für sie auszufüllen (da beide vermutlich Probleme mit dem Lesen/Schreiben haben). An sich wenig spektakulär, aber gerade bei der merkwürdigen Fiji-Immigrations-Karte sowie den dortigen kryptischen Straßen / Dorfnahmen ("Postleitzahl? Haben wir keine? Schreib einfach alles von unseren beiden Pässen ab") kann dieses ganze Unterfangen schon mal an die 20 Minuten dauern. Dafür wurde man dann mit der originellsten Unterschrift seit langem belohnt (denn was macht man, wenn man nicht schreiben kann? Richtig, man "malt" seine Unterschrift. Auch nicht schlecht… :-)

Wie in der Rafaello Werbung:
Weißes Wasserflugzeug landet auf türkisfarbenem Wasser

Aber was soll's, in Fiji spielt Zeit halt keine Rolle. Denn gleich das erste, was ich als Antwort auf die Frage nach der Uhrzeit zu hören bekam war ein freundliches "Time? 11:00 Fiji-Time!"

Wie auch immer: Es gibt wohl kaum einen Ort auf der Welt, in dem die beiden extreme "Paradies, Frieden, Strand, Sonne, etc" so nah an "Heruntergekommene Stadt, Kriminalität, Siff, etc" beinander liegen. Denn einerseits gibt es die Stadt "Nadi" auf der Hauptinsel (ein Ort, an dem ich es nicht länger als die zwangsläufige eine Nacht ausgehalten hätte), und auf der anderen Seite die genau 333 traumhaften Karibikinseln rund um die Hauptinsel.

Eine dieser 333 Inseln, Mana Island, war dann auch für zwei Nächte meine Heimat. Um nicht große Worte zu verlieren: Die Insel war das, was man sich als regenverwöhnter / eingeschneiter Mitteleuropäer unter dem Paradies vorstellt. Weiße Strände, blaues Wasser, tropische Früchte und exotische Tänze, kurz: Der Traum überhaupt, gerade wie aus der Rafaelo-TV-Werbung mit der Frau mit dem großen Hut entsprungen.

Sonnenuntergang auf Fiji

Gute Dinge haben aber in der Regel aber auch immer einen Haken, und der hieß auf Mana Island schlichtweg "Strom" und "Telekommunikation". Strom gab es nur zwischen 17 und 8 Uhr (wird schließlich mühsam mit dem eigenen kleinen Dieselgenerator erzeugt) und Telekommunikation existierte mit wenigen Ausnahmen schlichtweg gar nicht: Wenn in der Zwischenzeit der 3. Weltkrieg ausgebrochen wäre, …, ich hätte es schlichtweg nicht mitbekommen oder auch gar keine Chance gehabt, es mitzubekommen.

Nun kann man sich fragen: "Und woher wissen die Bewohner der kleineren Insel wie z.B. Mana Island dann überhaupt, was so in der Welt los ist?" Die Antwort ist ebenso kurz wie simpel: "Gar nicht". Stichwörter wie Irak, 2. Weltkrieg, Mondlandung, Hitler, etc' sind hier schlichtweg Fremdwörter (wobei, den ‚Hitlergruß' kante man komischerweise :-), und auch sonst war man schlichtweg nicht informiert was sonst so in der Welt los war.

Da es mir sehr schwer fällt Mana Island zu beschreiben (unterscheidet sich von so ziemlich allem, was man als Europäer so kennt) am Besten einfach die Bilder anschauen. Lediglich die Größe der Insel kann ich in etwa auf 1 km Durchmesser schätzen, hat es mich doch knapp zwei Stunden (FIji-Time) gekostet um einmal drum herum am Strand zu laufen (übrigens ein tolles Gefühl einmal um eine Insel zu laufen).

So unbeschwert wie auf Mana Island wachsen nur wenige Kinder auf.

Besonderheit an Mana Island sind übrigens die 2 (!) Flugfelder. Eins befindet sich im Meer (durch bunte Schwimm-Fähnchen abgesteckt) und das andere auf der Insel selbst. Letzteres erkennt man beim Umherwandern aber erst, nachdem man schon mitten drauf steht und dann das Schild "Nicht betreten wenn Flugzeug im Anflug" liest. Kurz: Eine gemähte Wiese. (Nebenbei: Wenn sich ein weißes Flugzeug im Anflug über dem türkisen Wasser befindet und dann granziös auf dem Wasser landet und weiße Gischt aufwirbelt wirkt das genauso dekadent wie in der Rafaelo Werbung (die mit der Frau mit dem großen weißen Hut :-) . Und hab ich eigentlich schon erwähnt, dass die Nachbarinsel von Mana Island der Drehort von "Verschollen" mit Tom Hanks war? (sah übrigens EXAKT aus wie im Film)

Einerseits für Europäer höchst verwunderlich, andererseits aber auch ebenso wunderbar: Kein Stress, kein Telefon, kein Internet. Einfach gar nix außer Ruhe und das Rauschen der Wellen. Eine derartige Ruhe (also auch in Form von Abwesenheit von Hektik) habe ich bisher noch nicht erlebt. Alle Einwohner von Mana Island (die leben dort noch immer in Dörfern mit ihrem eigenen Chief) schlurfen Tag für Tag gemütlich durch die Gegend und gehen ihrer Hauptbeschäftigung nach: "Chillen", zu deutsch: ausruhen, nix tun, rumlungern, baden gehen, sonnen, essen, Karva trinken (Tee der ein taubes Gefühl in der Zunge verursacht und beruhigend wirkt) etc.

Traumhafter Sonnenuntergang auf Mana Island

Was mir aber auf der anderen Seite aber auch mal wieder aufgefallen ist: Ich kann nicht oder nur schwer über einen längeren Zeitraum nichts tun. Denn für mich waren die zwei Tage auf meiner kleinen Mana Island genau die Optimalzeit, nach der das Sättigungsgefühl auftrat. Klar kann man dort einmal um die ganze Insel laufen, den Aussichts- "Berg" erklimmen, schnorcheln und schwimmen gehen. Aber das war's dann aber auch schon. Kurz: Meine zwei Tage Aufenthalt waren genau die richtige Zeitspanne zum genießen und alles sehen. (Meine in Malaysia erstandene open-water Tauchlizenz konnte übrigens wegen dem unmittelbarem Flug danach leider nicht zum Zug Kommen).

Was bleibt sind neben unvergesslichen Karibik-Eindrücken sicher auch die Frage, ob der ungezwungene und gemütliche Fiji-"Way of Life" (den ganzen Tag einfach gar nix machen) tatsächlich so ist, wie die ganze Welt "eigentlich leben sollte" (so die Meinung eines Bewohners zu mir). In gewisser Hinsicht ja, vielleicht, denn unzufriedene Fiji-Bewohner habe ich während der drei Tage nicht zu Gesicht bekommen. Aber andererseits (auch wenn's hochphilosophisch klingt): Wären die Menschen schon auf dem Mond gelandet oder könnte ich diese Zeilen am anderen Ende der Welt auf einem Laptop schreiben wenn alle Menschen so ungezwungen und urlaubsmäßig leben würden? - "Ma weiß et nit?" lautet wohl die Antwort. So, genug gesponnen...

In diesem Sinne…

stefan:.


Forsetzung folgt...